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Zum Andenken an
Stephan Mangelsdorff

Liebe Freunde und Verwandte von Stephan,

ehrlich gesagt, hatte ich mir nie vorstellen können hier einmal zu stehen und eine Rede zu halten.

Irgndwie dachte ich, dass Stephan Mangelsdorff unsterblich sei, nach all dem, was er bereits überstanden hatte. Und des Weiteren habe ich mir nicht eingestehen können, dass mich sein Verlust mal so sehr beeinträchtigt. Mein Name ist Jasper Jauch und ohne Stephan Mangelsdorff wäre ich kein Mountainbike Profi geworden.

 

Einige von euch kennen Stephan vielleicht vom Mountainbiken. Ich selbst bin auch Mountainbiker und tief in diesem Sport verankert, wegen Stephan, und ganz ehrlich gesprochen, ich kenne niemanden, der den Sport so geliebt hat wie er.

Ein super aufgeweckter älterer Kerl, der es nicht lassen konnte, immer und überall Tipps zu geben, zu optimieren und zu fördern. Ein unermüdlicher Freund, der immer versuchte Menschen miteinander zu verknüpfen. Aber eben auch einen Rennfahrer, der den Vergleich suchte und hart dafür kämpfte, keine Stagnation zu erfahren.

 

Ich kannte Stephan schon lange und ich durfte ihn kennen lernen zu einer Zeit, die für Junge Menschen sehr prägend ist, die Pubertät.

Springer Stiefel, Irokese, karrierte Hosen mit unzähligen Reisverschlüssen aufgenäht, gepiercte Lippe und ein Skateboard. So verbrachte ich die Zeit mit seinem Sohn Oscar.

Da Stephan schon immer eine große Affinität für Mountainbikes hatte, brachte er Oscar eines Tages ein neues Dirtbike von einer Fahrrad Messe mit nach Hause.

Ab dem Tag war uns das Skateboard egal und wir wollten wie in einer der legendären Bike Filme, große Drops und Jumps springen und Bikes besitzen, die so viel Federweg hatten wie vollwertige Cross-Motorräder.

Mein Vater war alleinerziehend, zur damaligen Zeit Harz4 Empfänger und das Geld reichte lediglich für ein Wal-Mart Bike. Das hinderte Oscar und mich jedoch nicht, damit allerlei Treppen, Mauern und selbstgebaut Sprünge zu befahren.

Das Fahrrad ging in die Knie und ich Stand vor einem Dilemma. Oscar freute sich bereits auf die Kirchweih, dann sollte es Geld für ein neues Bike geben. Familiär bedingt gab es sowas bei mir nicht, aber es gab Stephan Mangelsdorff.

In einer ruhigen Minute setzte Stephan sein einfühlsames Grinsen auf, das Grinsen, bei dem man bereits sehen kann, dass gleich was tolles passiert. Bei dem er sich freut, darüber den Menschen eine Freude zu bereiten. Einige von euch werden es jetzt sicherlich genau vor Augen haben. Dieses zufriedene Gesicht.

Mit diesem Grinsen offerierte er mir ein eigenes Bike, ein richtiges Mountainbike, finanziert von ihm. Ich viel fast vom Glauben ab, aber er meinte es ernst. Sein Rasen müsste gemäht werden, das Unkraut zwischen den Steinen nervt und auch der Pool will ab und zu mal geputzt werden.

Ab diesem Tag, war Stephan mehr für mich, als nur ein Papa von meinem Freund. Ab diesem Tag wurde er auch für mich eine Art Papa.

Er wurde Ziehvater und Arbeitgeber.

 

Ich wurde älter, meine Fahrradteile auch, Stephan finanzierte neue und ich musste mehr arbeiten. In den Ferien jobbte ich dann auch in seiner Eventtechnik Firma mobiltec.

Anfangs wunderte ich mich, warum seine Mitarbeiter auf den Baustellen nervös wurden, wenn es hieß, Stephan kommt gleich zur Abnahme. Ich dachte mir immer: „hey cool, bin gespannt was er sagt.“

Als Chef war er dann wohl eher der Bad Cop, um es angemessen zu umschreiben. Sehr bestimmt, zielgerichtet und manchmal auch etwas cholerisch ging es zu, wenn der Power-Tower für seine anstehende Bühnenshow abgenommen wurde.

Erst Jahre später habe ich die Verknüpfung im Rennsport erkannt. Es durfte nichts dem Zufall überlassen werden und aus allen Fehlern, die jemals passiert sind, musste die Lehre gezogen werden. Was soll man sagen: Bühne frei und dann wurde abgeliefert. Genauso wie er es sich vorgestellt hat.

 

Das durfte ich dann auch feststellen, als es daran ging, mich fit für die Rennen zu bekommen.

Kleine Randnotiz: Damals war Downhill noch der extreme Sport für Leute in viel zu großen Motocross Klamotten. Ich hatte also keinen Bock in engen Klamotten auf dem Rennrad zu fauchen, weil Intervalle einen Fit machen. Wenn es nach Stephan ging, waren Intervalle aber eine Art aller Heilmittel. Helden werden im Winter geboren, hat er mich immer wieder wissen lassen.

Mir tut es Leid, dass ich damals nicht richtig gezogen habe, als er mir das Bianchi Rennrad hinstellte, welches nicht mit auf die Kredit-Liste kam, und mich bat, damit ein wenig zu trainieren. Ich glaube es hat ihm zu schaffen gemacht, dass ich nicht nach seinem Plan trainieren wollte, aber ich glaube auch, es hat ihn toleranter gemacht, dass eben auch andere Wege zum Erfolg führen können. Denn Reflektion war eben auch eine seiner Stärken.

 

Das Stephan noch mal Weltcup Luft Schnuppern möchte, wurde mir klar, als wir bei unserer ersten Europameisterschaft in Kranjska Gora waren.

Er würde sich freuen, wenn ich jetzt die Anekdote über Maxi Dickerhoff erzählen würde, wie jener versuchte auf Stephans Rad einen Wheely zu fahren. Mach ich gerne später beim Kaffee.

Hier spricht der Weltmeister, hieß es dann, wenn man ihn nach dem 12.09.2010 angerufen hatte. Um den Jetlag vorzubeugen, wurde das Essen während des Trainings bereits nach brasilianischer Uhr und dem Renn-Zeitplan getaktet. Training und Belastung wurden exakt abgestimmt auf alle Eventualitäten, die eintreffen könnten.

Intervalle, Intervalle und auf jeden Fall noch ein paar Intervalle füllten den Trainingsplan bis zuletzt aus. Und dann: durchgezogen, einfach abgeliefert. Das konnte er gut. Stephan Mangelsdorff wird Downhill Weltmeister. Ein weiterer Meilenstein für ihn, der zeigt, wie ehrgeizig und zielstrebig dieser Mann durchs Leben marschierte.

 

2012 dann der Rückschlag. Er setzte seinen Fuß zur Stabilsierung auf einen falschen Fleck Erde, rutschte ab und stürzte anschließend über 10 Meter in die Tiefe.

Aus der letzten Erzählung entnehme ich 33 Rippenbrüche, Lungen Torax, Nieren und Milzriss.

Es gibt keinen Menschen, den ich kenne, der eine Verletzung wie diese 1. Überlebte und 2. Danach feierte wie Stephan Mangelsdorff.

Ich gebe zu, ich habe dann doch das ein oder andere Mal die Augen verdreht, als von Erzählung zu Erzählung die Zahl der Knochenbrüche auf mysteriöse Art und Weise mehr wurden. Aber innerlich habe ich immer geschmunzelt und mich gefreut, dass er eben ganz der Alte und noch unter uns war.

Heute wünschte ich, er wäre es immer noch.

 

Diese Momente des Augenverdrehens gab es allerdings nur in Gruppen. Waren mehrere Menschen anwesend, wollte Stephan immer zeigen und beweisen, was er auf dem Kasten hat. Jeder Kannte Stephan, jeder kannte seine Storys und jeder fand ihn auf irgendeine Weise sympatisch.

Unter vier Augen aber, da wurde nichts verdreht. Im Gegenteil. Einen Mensch, wie ich mir wünschen würde, dass es viel mehr auf dieser Welt geben müsste.

Das strukturierte Vorbereiten und Trainieren konnte er auch auf seine Persönlichkeit beziehen. Selbstreflektion, Autogenes Training, Entschlackungen. Stephan war immer Bedacht darauf inneren Frieden mit sich und seiner Umgebung zu finden.

So oft habe ich mir gewünscht, dass alle ihn ihm das sehen konnten, was ich in ihm sah. Einen Menschen, der genauso viel gibt, wie er nimmt.

Einen Menschen, der so gerne hilft, dass er sich selbst manchmal vergisst. Einen Menschen, der so viel Struktur lebt, und so viel Chaos in sich hat.

 

Das Bewusstsein wurde geschärft, Enna, seine Tochter wuchs heran und es wurden andere Dinge wichtiger als es früher der Fall war.

Gemeinsame Roadtrips, um ihr die coolsten Bike Regionen Europas zu zeigen. Dabei Wetter unabhängig zu biken und spontan mit dem Van einfach die Location wechseln zu können.

Seine Erfahrung aus dem Sport in Fahrtechnik Camps und Nachwuchsteams zu stecken, als weiter dem Training und den Medaillen zu frönen. Die Wattstunden des E-Bikes, als die PS Zahl seines Autos. Die Ausfahrten mit seinen Freunden im Deister, als die Intervalle auf dem Rennrad.

Das Zuhören wurde Stephan wichtiger als das Antworten.

 

Als ich 18 war sagte er mir, dass ich mein Aufwachsen ohne Mutter irgendwann aufarbeiten müsse.

10 Jahre Später tat ich das, unwissend warum Stephan es mir damals schon sagte.

13 Jahre später weiß ich, wir alle sollten ein wenig genauer auf unsere Freunde schauen und achtsam sein. So wie Stephan, seit Beginn unserer Freundschaft.

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